Ausdrücke und Kultur

Sacré bleu: Woher kommt es, und sagt das noch jemand?

Eine rote Pariser Tür mit bläulichem Steinrahmen

Die Académie française datiert sacrebleu auf das 17. Jahrhundert und beschreibt es als abgeschwächte Form des Fluchs sacredieu. Das Englische hat es erst viel später übernommen: Das Online Etymology Dictionary belegt sacre bleu im Englischen ab 1869, und zwar schon als klischeehaften französischen Fluch, den man französischen Figuren in den Mund legt. Dieser Abstand erklärt fast alles. Der Ausdruck hatte ein langes Leben im Französischen und danach ein zweites, noch längeres als Klischee im Ausland, und dieses zweite kennen die meisten Lernenden.

Was bedeutet sacré bleu genau?

Es bedeutet „heiliges Blau“, und das Blau ist eine Verkleidung: bleu ersetzt Dieu, „Gott“, damit man bei Gott schwören konnte, ohne das Wort auszusprechen. Den Namen Gottes zu missbrauchen war Sünde, und im Frankreich des Ancien Régime konnte Gotteslästerung auch gesetzlich bestraft werden. Also machten es die Franzosen wie die Deutschen mit „Potztausend“ oder „Herrje“: Sie bogen das verbotene Wort so lange, bis es harmlos war, aber noch erkennbar.

Bleu war der beliebteste Ersatz, weil es sich auf Dieu reimt. Eine ganze Familie von Flüchen ist nach diesem Muster entstanden:

  • parbleu, aus par Dieu, „bei Gott“
  • morbleu, aus mort de Dieu, „Gottes Tod“
  • corbleu, aus corps de Dieu, „Gottes Leib“
  • ventrebleu, aus ventre de Dieu, „Gottes Bauch“
  • palsambleu, aus par le sang de Dieu, „bei Gottes Blut“

Das Deutsche kennt genau dieselben Verwandten: „Sapperlot“ ist ein entstelltes Sakrament, und „Herrje“ ein gekürztes Herr Jesus. Jede Sprache mit heiligen Tabuwörtern sammelt ein ganzes Regal solcher Beinahe-Flüche.

Sagen Franzosen heute noch sacré bleu?

Fast nie, und wenn doch, dann absichtlich, als Scherz darüber, wie Ausländer sie sich vorstellen. Das Wiktionnaire, das französischsprachige Wiktionary, kennzeichnet es als vieilli (veraltet) und familier, und das deckt sich mit dem, was man in Frankreich hört: Es gehört in historische Romane, Mantel-und-Degen-Filme und Zeichentrickserien, nicht in den gewöhnlichen Dienstag von irgendwem.

Wenn Sie es in Paris ernsthaft sagen, wird niemand schockiert sein. Man wird wahrscheinlich lachen, freundlich, so wie Sie lachen würden, wenn jemand Sie mit „Potz Blitz!“ begrüßte. Es verrät, dass Sie Französisch aus Filmen gelernt haben und nicht von Menschen.

Dasselbe gilt für parbleu und morbleu, denen Sie in der klassischen Literatur begegnen (Molière und Dumas sind voll davon) und sonst nirgends. Es lohnt sich, sie beim Lesen zu erkennen, nicht, sie beim Sprechen zu benutzen.

Québec ist ein eigener, faszinierender Fall. Dort wird noch immer mit Kirchenvokabular geflucht: Wörter wie tabarnak (von tabernacle, „Tabernakel“) und câlice (von calice, „Kelch“) sind wirklich derb. Aber sacrebleu gehört auch zu diesem lebendigen System nicht.

Was sagen Franzosen stattdessen?

Für leichte Überraschung oder leichten Ärger sind die Alltagswörter mince, zut, punaise und oh là là, mit merde als stärkerer, derberer Variante. Mehrere davon sind selbst abgeschwächte Flüche, was zeigt, dass der Mechanismus hinter sacrebleu nie aufgehört hat zu funktionieren. Nur die Wörter haben sich geändert.

  • Mince, j'ai oublié mes clés ! „Mist, ich habe meine Schlüssel vergessen!“ (höflicher Ersatz für merde)
  • Zut, le train est parti. „Verflixt, der Zug ist weg.“
  • Punaise, il fait froid ! „Mensch, ist das kalt!“ (Verkleidung eines viel derberen Wortes)
  • Oh là là, quelle histoire... „Oje, was für eine Geschichte ...“
  • Purée, c'est pas vrai ! „Na hör mal, das gibt's doch nicht!“ (derselbe Trick wie punaise)

Oh là là verdient eine eigene Anmerkung. Viele hören darin etwas Anzügliches oder Kokettes, im Französischen drückt es aber vor allem Bestürzung oder Mitgefühl aus. Je länger man es zieht, oh là là là là, desto schlimmer steht es.

Sie möchten ausdrücken Veraltet oder Klischee Was man wirklich sagt
Leichte Überraschung Sacrebleu ! Oh là là !, Ah bon ?
Ärger, höflich Parbleu ! Mince !, Zut !
Ärger, umgangssprachlich Morbleu ! Punaise !, Purée !
Ärger, stark Palsambleu ! Merde ! (nicht bei der Arbeit)
„Oh mein Gott“ Mon Dieu ! Oh là là !, C'est pas vrai !

Vorsicht am starken Ende. Merde ist unter Freunden ganz normal, hat aber in einer Besprechung oder vor Menschen, die Sie gerade kennengelernt haben, nichts zu suchen. Im Zweifel passt mince überall und klingt aus dem Mund von Lernenden völlig natürlich.

Warum ist es im Ausland immer noch so bekannt?

Weil ausländische Autoren und Zeichner einen kurzen, unverwechselbar französischen Ausruf brauchten, und sacré bleu erfüllte diesen Zweck, ob in Frankreich noch jemand es sagte oder nicht. Das Online Etymology Dictionary sagt es ohne Umschweife: Es ist eine englische Vorstellung eines französischen Fluchs, keine französische Gewohnheit. Jede Sprache hat ein paar solcher Exportklischees, Ausdrücke, die in der Fantasie anderer lebendiger sind als zu Hause.

Das ist beim Lernen nützlich zu wissen, denn es erinnert daran, dass das Französisch aus Filmen und Witzen oft ein Museumsstück ist. Die Wörter, die in einem französischen Gespräch wirklich Gefühl transportieren, sind klein, schnell und leicht zu überhören: ein bah, ein punaise, ein leises oh là là.

Fazit

Die Geschichte von sacrebleu zu kennen, macht Spaß. Zu wissen, dass man stattdessen mince sagt, lässt Sie klingen wie jemand, der in der Sprache lebt. Diese Reflexe entstehen, wenn man echte Reaktionen im Gespräch hört und selbst benutzt, genau die Art von Französisch, an der Yann mit den Menschen arbeitet, die er unterrichtet. Wenn Sie die Drehbuch-Ausrufe gegen die tauschen möchten, die Menschen wirklich benutzen, ist die erste Stunde auf frenchwithyann.com eine kostenlose Probestunde.

Häufige Fragen

Ist sacré bleu im Französischen beleidigend?

Nein. Es wurde gerade erfunden, um niemanden zu kränken, und klingt heute eher altmodisch als grob. Von Ausländern gesagt, löst es meist ein Lächeln aus, weil Franzosen es vor allem als Klischee über sich selbst kennen.

Was bedeutet sacré bleu wörtlich?

Wörtlich „heiliges Blau“. Das Blau hat keine eigene Bedeutung: bleu steht für Dieu, der Ausdruck ist also ein verkleidetes „heiliger Gott“.

Was ist das französische „Oh mein Gott“?

Am häufigsten ist oh là là, das je nach Ton Überraschung, Bestürzung oder Bewunderung ausdrückt. Mon Dieu gibt es, es klingt aber etwas theatralisch, und viele Jüngere sagen einfach das englische „oh my God“.

Quellen

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